Freitag, 28. November 2014

Kein Grund zur Arroganz


Vor etwa zwanzig Jahren war ich in vieler Hinsicht antiamerikanisch eingestellt. Klar, ich wusste einiges, was so über den Großen Teich kam, durchaus zu schätzen. Etliches an Filmen und Literatur hatte schon meinen Respekt, aber bei vielem anderen war ich doch sehr dünkelhaft. So hätte ich vor gut zwanzig Jahren bei der Nachricht, dass nicht zum ersten Mal ein schwarzen Jugendlicher von einem weißen Polizisten mal eben auf Verdacht erschossen wurde, nach der ersten Reaktion ("Oh Gott, der arme Kerl!") bloß verächtlich geschnaubt. Tsss, Amerikaner! Dieses Land konnte man einfach nicht ernst nehmen als Europäer. Solcher Hochmut rächt sich, das ist mir erst später klar geworden. Vielleicht auch eine Frage des Alters. Aber die Amis lieferten einfach jede Menge.

Dienstag, 25. November 2014

Freaky Friday


Ach, 'Freitag'! Ich hatte dich immer für einen kleinen Lichtblick gehalten im trüben Einerlei des hiesigen Qualitätspressewesens, in dem Qualität nicht selten von quälen kommt, und zwar den Leser. Eine Insel des Geistes, der Recherche und des kritischen Denkens. Wo Leser ernst genommen werden und Propaganda eher kritisch hinterfragt denn betrieben wird. Eine Art Einäugige unter den Fastblinden. Aber was muss ich denn da jetzt lesen?

Sonntag, 23. November 2014

Lauf der Dinge


Aus, vorbei. Die kleine Bäckereifiliale nebenan ist ziemlich überraschend geschlossen worden. Die nächste ist über einen Kilometer entfernt. Ursprünglich war sie an einen Discounter angeschlossen. Als der vor zwei Jahren umzog und sich kein Nachmieter fand, ging es wohl bergab. Funktioniert heute einfach nicht mehr, zu wenig Laufkundschaft. Und, klar, die Konkurrenz der Backstationen in den Supermärkten, in denen Teiglinge aufgebacken werden und ein Brötchen die Hälfte kostet, wird immer stärker. Wieder geht ein Stück Vertrautes, denn so lange ich da wohne, gab es diesen Laden. Tempi passati.

Samstag, 22. November 2014

Mr Pickup im Anmarsch


Es ist ein schwer auszurottendes Missverständnis, dass die Befreiung unserer Sexualität in die allgemeine, frisch-fromm-fröhliche freie Liebe geführt hat. Sie hat lediglich neue Zumutungen geschaffen, die es zuvor so nicht gegeben hat. Michel Houellebecq hat schon 1994 scharfsichtig erkannt, dass es sich mit einer weitgehend liberalisierten Sexualität in etwa so verhält wie mit einer weitgehend liberalisierten Wirtschaft: Sie schafft Gewinner und Verlierer. Gewinner profitieren von der Lockerung moralischer Standards, indem sie eine Menge Spaß und Abwechslung haben können, ohne deswegen gesellschaftlich geächtet zu sein. Verlierer bleiben auf der Strecke, manchmal ein Leben lang, und bekommen von einer Begehrten allenfalls das Kompliment zu hören, ein echt netter Kerl zu sein. So was kann auf Dauer frustrieren.

Mittwoch, 19. November 2014

Wutbürgerlicher Checker


Gestern referierte Ulrike Herrmann von der taz in der hiesigen evangelischen Akademie über TTIP und CETA. Der Eintritt war frei, man bat bloß um eine Spende. Also Hintern hoch und hin. Präsenz zeigen, informieren, gegebenenfalls eine weitere Petition zeichnen gegen die geplante globale Konzernokratie. Mag nicht viel sein so eine Veranstaltung, aber immer bloß Sesselfurzen und hinterher meckern bringt erst recht nichts. Außerdem schätze ich Frau Herrmanns Arbeit und ein voller Saal ist auch ein Zeichen der Wertschätzung. Zudem bei solchen Gelegenheiten möglicherweise was zu lernen gibt und man eventuell auf Gleichgesinnte trifft. Das Gefühl, nicht allein dazustehen, kann wärmen.

Montag, 17. November 2014

Geschichtsvergessenheit als Staatsraison


Normalerweise neige ich nicht dazu, der endlosen Amtszeit des ewigen Einheitskanzlers Kohl übermäßig hinterherzutrauern, dafür war der Fremdschamfaktor zuweilen einfach zu hoch. Dauernd schien bei dem mächtigen Pfälzer irgendwo ein Mantel der 'Gechichte' zu wehen. In einer Tour auf die historische Dimension von irgendwas zu verweisen, ist eine unter Historikern verbreitete Berufskrankheit, die normalerweise dazu führt, dass Gesprächspartner irgendwann genervt die Augen verdrehen. Immerhin musste man Kohl lassen, dass er immerhin noch über so was wie Gechichtsbewusstsein verfügte. Dass das andere Extrem nämlich keineswegs erfreulicher ist, offenbarte gestern Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Freitag, 14. November 2014

Hört auf, meine Sachen zu verscherbeln!


Immer wenn öffentliche Haushalte aushungern, wird nach privaten Investoren gerufen, die frisches Kapital bringen sollen. Man wandelt ehemals staatliche Firmen in privatwirtschaftliche um, um sie dann zu verkaufen. Auch anderer öffentlicher Besitz wird privatisiert, zum Beispiel, indem man kommunale Grundstücke verkauft. Oder man verhökert gleich das Tafelsilber. So jetzt geschehen im Fall zweier Warhol-Bilder aus dem Aachener Casino der Westspiel GmbH, die sich im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen befindet. Die Werke waren in den Siebzigern für 185.000 und 204.000 Mark zu Dekorationszwecken angeschafft worden. Inzwischen hat ihr Wert sich vervielfacht.

Dienstag, 11. November 2014

Da geht was!


Kartoffelchips meide ich normalerweise. Nicht, weil ich sie nicht mag, sondern weil ich sie zu sehr mag. Einmal angefangen, kann ich meist nicht aufhören und schwuppdiwupp ist die ganze Tüte leer. Ich bin weiß Gott kein manischer Kalorienzähler, aber so eine große Tüte Chips hat leider nun einmal einen Energiegehalt wie ein frischer Uranstab und man muss ja nicht alles übertreiben. So habe ich nur welche im Haus, wenn ich mal ein paar Leute einlade. Eine Ausnahme von der Regel gibt es: Wenn ich in einer Stadt bin, in der englische Lebensmittel zu haben sind, sehe ich zu, dass ich einen großen Sack Walker's bekomme. Am liebsten die heilige Dreieinigkeit der Klassiker: Salted, Cheese & Onion, Salt & Vinegar.