Mittwoch, 17. Dezember 2014

Dringendes Bedürfnis


Ich mag normalerweise die Form des Offenen Briefes nicht besonders. Sie kommt oft sehr klagend und moralinsauer daher. Außerdem ist ein Brief ein privates Medium, das mit breiter Öffentlichkeit nicht unbedingt immer kompatibel ist. Doch kann so ein Offener Brief, auch wenn er seine Adressaten höchstwahrscheinlich nie erreicht, durchaus der Selbstvergewisserung dienen und dem Dampfablassen. War dringend nötig nach den letzten Tagen.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Sonntag, 14. Dezember 2014

Schlimme Verluste


Wenn mich nicht alles täuscht, war es Florian Illies, der uns das mit der 'Wetten dass...?'-Nostalgie eingebrockt hat. In seinem Bestseller 'Generation Golf' taucht zum ersten Mal die jetzt eingestellte Samstagabendsendung als unverzichtbarer Teil des Wochenendes jener bundesrepublikanischen Wohlstandskinder auf, die in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern im Grundschulalter waren. Frisch gebadet, eingemummelt in den molligen Frotteebademantel, durfte man samstags länger aufbleiben, vielleicht sogar Chips essen, und mit den Eltern zusammen 'Wetten dass...?' gucken bis ganz zum Schluss. So schildert Illies die typische Idylle der damaligen Zeit, allen ward mit einem Mal ganz wehmütig und sie kauften das Buch, dass es nur so eine Art war. 

Freitag, 12. Dezember 2014

Demokratie kann man verlernen


Es ist bekannt, dass in diesem Land in puncto Infrastruktur mittlerweile ein ziemlicher Investitionsstau herrscht. Den zu beheben, kostet, klar, Geld. Geld, das der Staat nicht hat und an das er irgendwie kommen muss. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel darüber nachdenken, den Spitzensteuersatz wieder ein wenig anzuheben, gleichzeitig die Progression ein wenig abzuflachen. Man könnte die Erbschaftssteuer wieder einführen oder eine Börsenumsatzsteuer. Man könnte die Sätze der Vermögens- und Körperschaftssteuer wieder anheben, eine Kapitalertragssteuer einführen, die diesen Namen auch verdient und so weiter und so fort. Mit anderen Worten: Man könnte bei denen nachschauen, die problemlos was abdrücken könnten und nicht wissen, wohin mit der Kohle.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Im tiefen Tal der Superhonks


Ist es Zufall, dass man die Gegend um Dresden früher 'Tal der Ahnungslosen' nannte? Da sind sie jetzt mal wieder abends, hihi, ein wenig spazieren gegangen. Dieses Mal zu zehntausend. Muss man das ernst nehmen? Ja und nein.

Ich frage mich ja immer, was diesen Menschen eigentlich genau vorschwebt. Eine furzgemütliche, fast reindeutsche, rechtwinklig geharkte, gekehrwochte Gartenzwergwelt? Ein Lilalaunesuperland, in dem alles exakt so funktioniert, wie sie sich das wünschen? Ein Auenland, das natürlich auch weltoffen ist ein Stück weit, in das aber ausschließlich die hineindürfen, die Herr und Frau Pegida für würdig erachten? Also außer zahlenden und staunenden Touristen oder ein paar Leistungsträgern am besten niemand (die Verschärfung des ohnehin zu Tode verschärften Asylrechts ist nämlich eine ihrer wenigen konkreten Forderungen). Was glauben diese Leute eigentlich, wer und wie viele sie sind und was genau sie so alles zu bestimmen haben?

Sonntag, 7. Dezember 2014

Big Brother in nett


Machen wir uns nichts vor. Die Idee der Generali-Versicherung, Kunden, die gesund leben, regelmäßig Sport treiben und bereit sind, ihre diesbezüglichen Daten per App zu übermitteln, Boni zu gewähren, wird sich wahrscheinlich irgendwann innerhalb der nächsten Jahre durchsetzen. Weil sie haargenau in die Zeit passt und weil sie nicht wenige Menschen genau dort trifft, wo sie am empfänglichsten sind: Bei ihrer Eitelkeit und ihrem Drang, sich anderen überlegen zu fühlen. Bei ihrer Illusion, nichts zu verbergen zu haben. Und bei ihrer Naivität, die sie nicht sehen lässt, dass auch eine nett und freundlich daher kommende, mit Anreizen statt mit Strafen arbeitende Tyrannei letztlich eine Tyrannei ist.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Sie sind doch nur besorgt!


Nein, die Bezeichnung 'Wutbürger' würden sie sich vermutlich verbitten. Sie sind schließlich nur besorgt. Um Deutschland. Damit es endlich erwache aufwacht, das verschnarchte, unpatriotische Deutschland. Auch wegen der Kinder. Mit dem Hinweis auf die Kinder lässt sich ja bekanntlich jede Zumutung mehrheitstauglich machen. Politikern trauen sie nicht. Journalisten erst recht nicht. Wer Kritik übt an ihnen, gefährdet ihre Meinungsfreiheit. Zum Beispiel die zirka 6.000 Leute, die jetzt unter dem Namen 'Pegida' ('Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes‘) kundgebend durch Dresden getapert sind.

Sonntag, 30. November 2014

Sie tun es wieder!


Allem Antiamerikanismus zum Trotze, hat 'Star Wars' mich damals durch einen Teil meiner Kindheit und Jugend begleitet. Mehr noch: Eine Zeit lang beherrschte die Weltraumsaga förmlich meine Phantasie. Einmal ein edler Ritter sein wie Luke Skywalker! Dieses unter der Ägide weiser, gütiger Lehrer wie Obi-Wan Kenobi und Yoda vom jugendlichen Feuerkopf zum Zen-Meister gereifte Pilotenwunderkind. Einmal eine coole Sau und ein Draufgänger sein wie Han Solo, der noch auf dem Schafott mit der Schlinge um den Hals einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und am Ende die Prinzessin bekommt, die ihr mönchischer Bruder nur ganz asexuell retten durfte.