Dienstag, 30. Juni 2015

Elitäre Abrissbirnen


Schreib doch mal was zu Griechenland! So meldete sich in letzter Zeit immer öfter eine innere Stimme. Leider fällt mir zu Griechenland wenig ein, das nicht schon x-fach gesagt worden wäre. Die ganze griechische Komödie, die sich da vor unseren Augen abspielt, scheint mir neben vielem anderen, von dem ich keine Ahnung habe, zunächst einmal eine totale Bankrotterklärung der Eliten und eine Kernschmelze der Mediendemokratie. Das kommt mir vor lauter Ultimaten und letzten Chancen ein wenig zu kurz. Eliten und Mediendemokratie sind nämlich gerade dabei, den letzten Rest an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Montag, 29. Juni 2015

Netter Versuch subtilen Sponsorings


Das Westmünsterland ist eine echt schöne Ecke. Fahren Sie mal hin, wenn Sie in der Nähe sind. Kann man kaum verfehlen. Alles, was westlich von Münster, östlich der niederländischen Grenze, nördlich der Lippe und noch in Nordrhein-Westfalen liegt, ist Westmünsterland. Viel Gegend, viel Grün, jede Menge Schlösser, viel Himmel, nette kleine Städtchen. Doch, nett.

Und die Kombination aus Sandstein und Klinker, überall. Fällt Auswärtigen meist sofort auf. Fassaden mit Münsterländer Kohlebrand verblendet, Tür- und Fensterstürze sowie eventuelle Zierelemente aus Baumberger Sandstein, so baut man seit Jahrhunderten hier, das ist der heilige Zweiklang, vom Bauernkotten bis zum Residenzschloss. Auch bei Neubauten kommt es übrigens vor, dass traditionsbewusste Bauherren wenigstens ein bisschen Sandstein an ihre nach Möglichkeit verklinkerten Reihenhäuser basteln, so sie sich's eben leisten können.

Freitag, 26. Juni 2015

Rettet die Bundesjugendspiele!


Da hat doch eine gewisse Christine Finke, allein erziehende Mutter und Bloggerin eine Petition ins Leben gerufen, die Bundesjugendspiele abzuschaffen. Interessanter, wenn auch befremdlicher Gedanke. Begründung? Finke kann "... nicht verstehen, warum es heute noch für gut befunden wird, Kinder zu zwingen, sich in eine sportliche Wettbewerbssituation zu bringen, die mit Demütigung und Ohnmachtsgefühlen vor der Peer Group verbunden ist."

Weiter meint sie: "Sport sollte Spaß machen und ein positives Körpergefühl vermitteln. Aber die Bundesjugendspiele leben von Wertung: Aufwertung und Abwertung einzelner auf Kosten anderer. Oft ist das Lehrpersonal auch noch so unsensibel, die Unterschiede zwischen den Kindern besonders herauszustellen bei der anschließenden Vergabe der Urkunden in der Klasse. Bei einem Wettkampf gehöre es dazu, heißt es dann. Aber welchen Sinn hat ein Wettkampf, dem man sich nicht freiwillig stellt und bei dem Einzelne schon vorher wissen, dass sie am unteren Ende der Leistungsskala sein werden?"

Dienstag, 23. Juni 2015

Cherchez la femme!


Die Geschichte ist altbekannt: In Aristophanes' gleichnamiger Komödie schart die Athenerin Lysistrata mitten im Peloponnesischen Krieg (431-404 v.Chr.), in dem die Athener und ihre Verbündeten mit den Spartanern und ihren Verbündeten im Clinch lagen, Frauen aus allen beteiligten Stadtstaaten um sich. Die sollen sich ihren Krieg führenden Männern so lange sexuell verweigern, bis der Hormonstau die Streithähne zur Vernunft bringt. In der Literatur war das ein Erfolg, im wirklichen Leben neigt Gevatter Machtmensch mir doch arg dazu, seine Gespielinnen bei Bedarf auszutauschen.

Samstag, 20. Juni 2015

Lizenz zum Kinderkriegen


Samstagabend, mitten im Hochbetrieb, bricht es aus ihr heraus. Meine Frau Elisabeth verschafft sich Luft, den Grund kenne ich nicht, aber Ihre Rede ist klar und logisch: "Deutschland ist das Land der Verordnungen, Gesetze ohne Ende, Ausnahmen zu Gesetzen sind auch Legion. Zum Kindle machen braucht man aber komischerweise keine Prüfung wie beim Führerschein, oder gar wie beim sogenannten Idiotentest!"

Also berichtete Vincent Klink, des Landes bei weitem sympathischster medienpräsenter Koch, jüngst in seinem Tagebuch. Und wer würde der langjährigen, weltbesten Ehefrau dieses vielseitig begabten barocken Schwaben schon widersprechen wollen?

Donnerstag, 18. Juni 2015

Nutella, aus Prinzip


Es ist vielleicht besser, wenn ich vorwegschicke, dass ich mir kaum etwas aus Süßigkeiten mache. Wenn ich mal Schokolade da habe, etwa wenn ich welche geschenkt bekomme, dann wird sie regelmäßig schlecht, so ich nicht beizeiten daran denke, sie an Leckermäuler weiterzuverschenken. In letzter Zeit hat sich das ein klein wenig geändert. So habe ich jetzt deutlich öfter nicht nur Eiswürfel, sondern auch Speiseeis im Froster, weil ich manchmal Lust darauf bekomme. Vielleicht ist es das fortschreitende Alter, vielleicht liegt's auch daran, dass ich nicht mehr rauche. Irgendwo las ich, Nikotin griffe irgendwie in den Blutzuckerhaushalt ein. Keine Ahnung.

Dienstag, 16. Juni 2015

Alberner Kulissenzauber


"So Meester, der Rohbau is fertich. Wat soll jetzt für nen Stil außen dran?" (Anonymer Polier der Gründerzeit)

Das Land war gerade wiedervereinigt, da machte die konservative Elite sich daran, den Palast der Republik, eines von Erich Honeckers Lieblingsobjekten, aus Berlins Mitte herauszuexorzieren (natürlich war das ein Elitenprojekt, denn das Volk wurde nicht gefragt). Wiewohl die Asbestsanierung ab Beginn der Neunziger nötig gewesen sein mochte, verengte die Debatte darüber, was mit dem in den Rohbauzustand zurückversetzten Torso geschehen sollte, sich dank der beharrlichen Lobbyarbeit des einflussreichen Fördervereins Berliner Schloss e.V. sehr bald bloß noch auf die Frage, ob das 1950 gesprengte Stadtschloss nun wiederaufgebaut werden sollte oder nicht, sondern wie aufwändig sich das gestalten sollte.

Freitag, 12. Juni 2015

James, at last


Na, wer erinnert sich noch an Partykeller? Diese Räuberhöhlen des Frohsinns begannen sich westdeutsche Wohlstandsfamilien vermehrt ab den Sechzigern unter ihren Eigenheimen einzurichten (wie das im Osten war, weiß ich nicht, ich glaube, da war’s eher die Datsche, oder?). Die gab es nicht allein aus Spaß, sondern auch, weil genau der Platz im Keller frei war, den die vorige Generation noch zum Einlagern von Vorräten genutzt hätte, für schlechte Zeiten. In den Achtzigern wurde der Partykeller dann zunehmend von der Heimsauna verdrängt, danach von Fitnessgeräten. Seither verzichten immer mehr Häuslebauer gleich ganz auf einen Keller. Aus Kostengründen