Montag, 3. August 2015

In der Nudgokratie


Mein ehemaliger Adoptivhund, ein freundlicher Boxer, hatte mich schnell durchschaut. Er wusste, dass ich morgens nach dem Aufstehen meist noch einen Moment auf der Bettkante sitzen bleibe. Genau dann kam er, drängelte sich sanft zwischen meine Beine und setzte sich, den Rücken zu mir, vor mich auf den Boden. Wink mit dem Zaunpfahl: Ausgiebig kraulen bitte, sonst kommst du hier nicht weg, Kollege. Kein Zweifel, das Tier hatte begriffen, was Nudging ist. Hunde können das eh gut. Ein sozialisierter Hund weiß, dass er nicht in der Position ist, Befehle zu erteilen, also versucht er, auf die nette Tour seinen Willen zu kriegen. Etwa, indem er mit seinem Spielzeug im Maul ankommt und einen vorsichtig anstupst oder so.

Samstag, 1. August 2015

Reiseimpressionen (5)


TraumWerk, Anger


Längst nicht allen, die gern ihrem Stolz auf deutsche Wertarbeit Ausdruck verleihen, oft, ohne je selbst einen Handschlag dafür getan zu haben, ist bewusst, dass die Familie Porsche mitnichten aus Deutschland, sondern aus Österreich stammt. Auch die Familie Piëch haust hier in der Gegend. Gut, wir wollen nicht pingelig sein. Als der alte Ferdinand Porsche noch im Auftrag des Gröfaz KdF-Wagen und Panzer entwarf, war er zwangsläufig Deutscher, weil der Staat Österreich da gerade Pause hatte, aber das nur am Rande. Ist zwar unwichtig, mag aber die Frage beantworten, warum der Porsche-Spross Hans-Peter ausgerechnet in Anger bei Ainring ein Privatmuseum namens TraumWerk errichtet hat (man beachte übrigens die originelle Binnenmajuskel - ich sag's ja, Profis eben).

Freitag, 31. Juli 2015

Reiseimpressionen (4)


Rupertus-Therme, Bad Reichenhall

Die Gegend hier nennt sich Rupertiwinkel. Diese alte, auf den heiligen Rupert bzw. Rupertus zurück gehende Bezeichnung wurde irgendwann für das Tourismusmarketing entdeckt. Alleinstellungsmerkmal, Baby! Daher bekommt hier so ziemlich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist oder sich mit Händen und Füßen wehrt, das Präfix 'Rupertus-' bzw. 'Ruperti-' vorn dran getackert.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Reiseimpressionen (3)


Vorder- und Rückseiten

Eigentlich gibt es einiges, das die Altstadt von Salzburg für mich zu einem höchst unsympathischen Fleckchen Erde machen müsste. Fängt damit an, dass hier zu Festspielzeiten einer der größten Promi- Wichtig- und Adabei-Auftriebe des Planeten herrscht. Geht damit weiter, dass die Weltkulturerbe-Altstadt vielerorts aussieht wie ein auf Hochglanz poliertes Touristen-Disneyland. Und ist mit Phänomenen wie dem, dass um die proppenvolle Getreidegasse herum an gefühlt 80 Prozent der Lokale und anderen vom Fremdenverkehr lebenden Betrieben 'Nepper, Schlepper, Bauernfänger' als unsichtbare Leuchtschrift zu prangen scheint ("Authentic Austrian/Bavarian food!"), noch lange nicht zu Ende. Außer Venedig und Schloss Neuschwanstein gibt es wohl nur wenige andere Orte, an denen sich solche Touristenmassen, vornehmlich aus Fernost, Italien und den USA, so klischeehaft benehmen wie hier.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Ich will Kühe!


Da ich zunehmend das Gefühl habe, nix Vernünftiges mehr zusammengeschrieben zu bekommen, trifft es sich, dass ein paar Tage Urlaub anstehen. Verabschiede mich daher bis nächste Woche um diese Zeit in eine kurze Sommerpause. Wünsche gute Erholung von mir. Man liest sich!

Montag, 20. Juli 2015

Die Geister, die er rief


Eigentlich müsste ich jetzt sagen, dass Til Schweiger mir, ungeachtet seines filmischen Oeuvres und anderer komischer Auftritte, auf seine alten Tage noch direkt sympathisch werden könnte. Dass er sich für Flüchtlinge einsetzt, ist ehrenwert, verdient Respekt und darf unter Prominenten gern weiter Schule machen. Jede Unterstützung ist willkommen in Zeiten, in denen fast jeden Tag eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgeht. Auch dass er, als seine Facebook-Seite daraufhin von rechtem Deutschland zuerst!-Plebs geentert und vollgemacht wurde, klar Stellung bezog und diese Bande dabei keineswegs beschimpft, sondern vielmehr im genau angemessenen Tonfall angesprochen hat, geht in Ordnung.

Sonntag, 19. Juli 2015

Wir bloggen Food


Ich auch Essen fotofieren! Heute: Vom Einerlei des Frühstückengehens und einer rühmlichen Ausnahme

Frühstücken gehen, geplant und im Rudel (in der Anglizismenhölle auch brunchen genannt) - das Wochenendvergnügen jener Ältergewordenen, deren Schlafbedürfnis oder deren familiäre Verpflichtungen durchfeierte Nächte und ähnliche Exzesse nicht mehr zulassen. Man kann das verspotten als Kaffeekränzchen für junge Spießer, die bloß noch nicht wahrhaben wollen, dass sie welche sind. Ab einem gewissen Alter aber, let's face it, ist so ein gemeinsames Sonntagsfrühstück oft die einzige Möglichkeit, ein paar alte Freunde und Bekannte mal an einen Tisch zu kriegen, denn am Sonntagvormittag haben viele noch am ehesten Zeit, seitdem der sonntägliche Kirchgang eher zum Event einer Minderheit geworden ist.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Oans, zwoa, gsuffa!


Machen wir uns nichts vor, sie werden das mit der Prohibition wieder in Angriff nehmen. In Baden-Württemberg haben sie die ersten Schritte jetzt eingeleitet und öffentliches Trinken nach 22:00 Uhr untersagt. Sicher, es wird noch eine Zeit dauern, bis Alkohol so stigmatisiert sein wird wie heute Tabakrauch, aber er wird es irgendwann sein, da mache ich mir nur wenig Illusionen. Ich weiß das, weil ich die Anfänge der Anti-Rauch-Bewegung in den Achtzigern mitbekommen habe. Auch damals wurden die ersten Aktivisten noch allgemein belächelt, ihre hinkenden Vergleiche bespottet, ihr demonstratives Rumhusten ignoriert. Irgendwann um die Jahrtausendwende gewann das alles mächtig an Schwung und wenige Jahre später war die einst allgegenwärtige Fluppe aus dem öffentlichen Leben weitgehend verschwunden.