Sonntag, 14. September 2014

Tölen und Trottel


Immer wieder reizend, was aus Menschen wird, die so von der Menschheit enttäuscht sind, dass sie sich in eine absurde Liebe zu Tieren hineinsteigern, zum Beispiel zu Hunden. Dabei habe ich mit Hunden in der Regel kein Problem und komme mit fast allen zurecht. Gut, als ich zehn Jahre alt war, hat mich einmal ein Schäferhund, der im Park unserem Fußball hinterherjagte, versehentlich am Bein erwischt, weil das kleine Mädchen am anderen Ende der Leine nicht in der Lage war, ihn noch zu kontrollieren. Danach begegnete ich größeren Hunden ein paar Jahre lang eher reserviert, aber das ist längst überwunden. Sicher war es verantwortungslos, ein Kind einen so starken und offenbar kaum erzogenen Hund führen zu lassen, aber auf die Idee, alle Hundebesitzer deswegen über einen Kamm zu scheren, bin ich schon damals nicht gekommen.

Mittwoch, 10. September 2014

Verapplet


Immer, wenn ein Laden namens Apple irgendwelche neuen, sensationellen Produkte vorstellt, schlägt die hiesige Qualitätspresse Purzelbäume und wird nicht müde, dieselben sogleich als 'Designikonen' und 'Revolutionen' zu befeiern (bekommen die eigentlich Geld für das devote Gehuste?). Jeder, der nicht sofort in den nächsten Apple Store rennt und sich ruiniert für so ein Teil, soll sich gefälligst vorkommen wie ein Troglodyt, der das Licht mit dem Hammer ausmacht, sich von rohem Mammutfleisch ernährt und noch mit Lagerfeuer und Pferdedecke telefoniert. Das nervt weiß Gott schon genug. Aber ich kann mich arrangieren. Man stumpft ab.

Montag, 8. September 2014

Scharia, Polizei!


Es mag vielleicht nerven, aber selbstverständlich ist es im Rahmen von Religions- und Meinungsfreiheit bis zu einem gewissen Maße erlaubt, im öffentlichen Raum anderen Leuten zu erzählen, wie sie zu leben haben, wenn sie nicht in der Hölle schmoren wollen. Machen die Zeugen Jehovas so, auch wenn sie in der Öffentlichkeit normalerweise eher den Mund halten und Druckwerk sprechen lassen. Haben auch schon diese äußerst verkrampft auf locker machenden 'Jesus Freaks' bei uns auf dem Marktplatz gemacht. Alle, die es nicht wissen wollten, wurden mit per Lautsprecher brülllaut vorgetragenen Anekdoten belästigt über ihre persönlichen Begegnungen mit dem voll coolen Jesus, die ihr Leben verändert haben.

Samstag, 6. September 2014

Es wird aufgerüstet


Ja, ich habe mich lange zurück gehalten zum Thema Ukraine und mich nicht oder nur sehr sporadisch dazu geäußert. Mich überforderte das alles. Ich wusste nicht, wem ich überhaupt noch irgendetwas glauben sollte. Ich hasse das Gefühl, zu etwas bloß eine Meinung zu haben und nicht den Schimmer einer Ahnung davon. Alles schien zu verschwimmen in einer einzigen Wolke aus winzigen Details, offenkundigen Lügen und Propaganda. Ich habe nicht den kleinsten Anhaltspunkt gesehen. Eines immerhin wusste ich ziemlich genau: Den guten Westen, der nur lautere Absichten verfolgt, gibt es ebensowenig wie den bösen Kriegstreiber Putin. Mit Präsident Gaucks Rede in Danzig anlässlich des 75. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen aber ist mal Schluss mit schweigen.

Dienstag, 2. September 2014

Sorge vor der AfD? Nee!


Dass sich in Deutschland unter dem Deckmantel, eurokritisch zu sein, eine in Teilen rechtspopulistische Partei wohl endgültig zu etablieren beginnt, sollte nicht weiter überraschen. Musste irgendwann passieren. Zum einen, weil von wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum linke, sondern meist eher rechts stehende Bewegungen profitieren - auch der Aufstieg der so genannten rechtspopulistischen Parteien fällt zeitlich nicht zufällig zusammen mit dem des politischen Neoliberalismus und seiner verheerenden Folgen. Zum anderen, weil ein gesamteuropäischer Trend, der seit den Achtzigern mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, mit Verzögerung jetzt auch in Deutschland angekommen ist. Man kann sich fragen, warum das so lange gedauert hat.

Sonntag, 31. August 2014

Zur Verteidigung des Trolleykoffers


Zum Abschluss der Urlaubssaison eine kleine Apologie

Rollkoffer, auch Trolleys genannt, haben einen schlechten Ruf. Die Teile sind während der letzten Jahre zum Standardaccessoire jener Schlips-, Kragen- und Kostümbratzen geworden, die die ICEs und Flugzeuge dieser Welt in Legionsstärke bevölkern und die Nerven ihrer Umwelt nicht selten mit ihrem penetranten Wichtigsein maximalst strapazieren. Auch das Geräusch, mit dem er verzweifelt Schlaf suchende Anwohner von selbigem abhält, wenn er nächtens von vom Wochenendtrip heimkehrenden Partytouristen über das Katzenkopfpflaster Berliner In-Kieze gezerrt wird, ist für den Leumund des Trolleys nicht gerade hilfreich. Wer mit Trolley unterwegs ist, gilt entweder als karrierefixierter Schweinekapitalist oder als asozialer Ruhestörer.

Donnerstag, 28. August 2014

Bekämpfen und beherbergen


Wie immer gilt es, schleunigst Deckung zu suchen, wenn Deutsche sich Gedanken darüber machen, wie mit Ausländern umzugehen ist. Ein noch tieferes Loch zum Verkriechen sollte man sich buddeln, wenn die hiesige Politik dem deutschen Michel mithilfe von Ausländern Angst machen will.

In den frühen Neunzigern begann man zunächst an Asylbewerbern das vorzuexerzieren, was man später auf die ganze Gesellschaft ausdehnte: Penibel zu unterscheiden zwischen nützlich und unnütz im Sinne wirtschaftlicher Wertschöpfung. Nützliche Ausländer sind zum Beispiel indische IT-Experten und andere Hochqualifizierte, die den Standort voranbringen und die man mit einer Art Greencard ins Land locken wollte. Am unteren Ende stehen so genannte Wirtschaftsflüchtlinge. Die kommen, heißt es, allein aus niederen Motiven angeschissen. Wollen bloß Stütze abgreifen und sich hier einen lauen Lenz machen. Von unseren Steuergeldern! Anstrengungsloser Wohlstand eben.

Dienstag, 26. August 2014

Promis on the rocks


Grundsätzlich ist es ja schön, wenn die Initiatoren einer Spendenkampagne neue und originelle Wege beschreiten, um an möglichst viel Geld zu kommen. Ein Beispiel ist die ALS Ice Bucket Challenge, die seit einiger Zeit durchs Netz geistert. Es sollen Spenden gesammelt werden für Erforschung und Bekämpfung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer irreversiblen Nervenerkrankung, die so gut wie nicht zu behandeln ist und in der Regel tödlich verläuft (prominentestes Todesopfer in Deutschland ist der 2007 verstorbene Maler Jörg Immendorff). Ein seriöser und guter Zweck, gar keine Frage.