Dienstag, 2. September 2014

Sorge vor der AfD? Nee!


Dass sich in Deutschland unter dem Deckmantel, eurokritisch zu sein, eine in Teilen rechtspopulistische Partei wohl endgültig zu etablieren beginnt, sollte nicht weiter überraschen. Musste irgendwann passieren. Zum einen, weil von wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum linke, sondern meist eher rechts stehende Bewegungen profitieren - auch der Aufstieg der so genannten rechtspopulistischen Parteien fällt zeitlich nicht zufällig zusammen mit dem des politischen Neoliberalismus und seiner verheerenden Folgen. Zum anderen, weil ein gesamteuropäischer Trend, der seit den Achtzigern mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, mit Verzögerung jetzt auch in Deutschland angekommen ist. Man kann sich fragen, warum das so lange gedauert hat.

Sonntag, 31. August 2014

Zur Verteidigung des Trolleykoffers


Zum Abschluss der Urlaubssaison eine kleine Apologie

Rollkoffer, auch Trolleys genannt, haben einen schlechten Ruf. Die Teile sind während der letzten Jahre zum Standardaccessoire jener Schlips-, Kragen- und Kostümbratzen geworden, die die ICEs und Flugzeuge dieser Welt in Legionsstärke bevölkern und die Nerven ihrer Umwelt nicht selten mit ihrem penetranten Wichtigsein maximalst strapazieren. Auch das Geräusch, mit dem er verzweifelt Schlaf suchende Anwohner von selbigem abhält, wenn er nächtens von vom Wochenendtrip heimkehrenden Partytouristen über das Katzenkopfpflaster Berliner In-Kieze gezerrt wird, ist für den Leumund des Trolleys nicht gerade hilfreich. Wer mit Trolley unterwegs ist, gilt entweder als karrierefixierter Schweinekapitalist oder als asozialer Ruhestörer.

Donnerstag, 28. August 2014

Bekämpfen und beherbergen


Wie immer gilt es, schleunigst Deckung zu suchen, wenn Deutsche sich Gedanken darüber machen, wie mit Ausländern umzugehen ist. Ein noch tieferes Loch zum Verkriechen sollte man sich buddeln, wenn die hiesige Politik dem deutschen Michel mithilfe von Ausländern Angst machen will.

In den frühen Neunzigern begann man zunächst an Asylbewerbern das vorzuexerzieren, was man später auf die ganze Gesellschaft ausdehnte: Penibel zu unterscheiden zwischen nützlich und unnütz im Sinne wirtschaftlicher Wertschöpfung. Nützliche Ausländer sind zum Beispiel indische IT-Experten und andere Hochqualifizierte, die den Standort voranbringen und die man mit einer Art Greencard ins Land locken wollte. Am unteren Ende stehen so genannte Wirtschaftsflüchtlinge. Die kommen, heißt es, allein aus niederen Motiven angeschissen. Wollen bloß Stütze abgreifen und sich hier einen lauen Lenz machen. Von unseren Steuergeldern! Anstrengungsloser Wohlstand eben.

Dienstag, 26. August 2014

Promis on the rocks


Grundsätzlich ist es ja schön, wenn die Initiatoren einer Spendenkampagne neue und originelle Wege beschreiten, um an möglichst viel Geld zu kommen. Ein Beispiel ist die ALS Ice Bucket Challenge, die seit einiger Zeit durchs Netz geistert. Es sollen Spenden gesammelt werden für Erforschung und Bekämpfung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer irreversiblen Nervenerkrankung, die so gut wie nicht zu behandeln ist und in der Regel tödlich verläuft (prominentestes Todesopfer in Deutschland ist der 2007 verstorbene Maler Jörg Immendorff). Ein seriöser und guter Zweck, gar keine Frage.

Sonntag, 24. August 2014

Sendungsbewusst und von sich ergriffen


Gewiss, Typen, die vor Dummheit nur so stinken, die permanent auf Opiaten sein müssten, wenn Dummheit weh täte, weil sie sich sonst die ganze Zeit vor Schmerzen auf dem Boden wänden und sich auch keine Hemmungen auferlegen, die Welt daran teilhaben zu lassen, sind ärgerlich. Zwar gelten Jähzorn und Rachsucht als schwere Sünden, doch ist es selbstredend verzeihlich, wenn jemand Gewaltphantasien bekommt, der es mit einem dieser Intelligenz- und Empathieallergiker zusammentrifft - so lange es bei Phantasien bleibt, versteht sich. Doch so nervig solche Typen sein können, sie stechen vielleicht am unangenehmsten ins Auge, sind aber nicht das größte Problem. Man kann ja bekanntlich auf viele verschiedene Arten Unterschicht sein.

Donnerstag, 21. August 2014

Die ganze Wahrheit - jetzt rede ich!


Nach gängiger Auffassung könnte das Folgende für Minderjährige eventuell nicht geeignet sein. Darauf hinzuweisen, ist übrigens eine sehr sinnreiche Vorsichtsmaßnahme in Zeiten von Youporn et al., wie ich finde. Nettere Blogger, also weniger schlimme Finger als ich, würden hier auch eine Triggerwarnung platzieren, aber warum sollte ich? Unsere Qualitätspresse tut sich diesbezüglich schließlich auch keinen Zwang an. Trotzdem: Klicken Sie nur auf "Weiter lesen", wenn Sie sicher sind, dass Sie über 18, moralisch gefestigt und schwer zu schocken sind. Sollten Sie eine Frau sein, dann halten Sie sicherheitshalber einen Eimer Eiswasser bereit, um die Begierde, die Sie fast zwangsläufig überkommen wird, halbwegs im Zaume zu halten. Und legen Sie um Himmels Willen etwas Saugfähiges auf den Stuhl. Sie wurden gewarnt!

Mittwoch, 20. August 2014

Zu Risiken und Nebenwirkungen


Gut, das ist schon eine Weile her, aber ich war ja auch ein paar Tage raus aus dem Geschäft. Manchmal, da fragt man sich mit Max Uthoff tatsächlich, welche Medikamente eigentlich in gewissen Kreisen so gereicht werden. Oder bei bestimmten Parteien. Wenn ich mir zum Beispiel die Wirkung der Präparate anschaue, die man sich offenbar in der SPD-Zentrale einwirft, dann will ich unbedingt auch was davon. Einen solchen Katapultstart aus dem irdischen Jammertal und seinen unbequemen Realitäten in eine andere Umlaufbahn bekommt man normalerweise nämlich auch mit den hochprozentigsten Spirituosen nicht zustande.

Sonntag, 17. August 2014

Reiseimpressionen (2)


Dachau

Wer nach Dachau kommt, will meist zur KZ-Gedenkstätte. Damit haben die Bewohner der Stadt sich inzwischen arrangiert. Sie ist weiträumig ausgeschildert, wie es im Verkehrsfunk immer heißt. Vor knapp 25 Jahren war ich schon einmal dort. Ein ehemaliger Schulfreund studierte damals in München und als ich ihn dort besuchte, sind wir mit der S-Bahn da hin gefahren. Es war ein trüber Wintertag, der Wind pfiff über das verlassene, weitläufige, verschneite Areal, auf dem wir fast die einzigen Besucher waren und die Krähen krächzten dazu. Die erhaltenen Gebäude waren so grau wie der Himmel und die Farbe blätterte ab. Die Ausstellung im Haupthaus war bescheiden und sah aus, als sei sie seit den Sechzigern nicht mehr überarbeitet worden. Trotzdem, die stille, ein wenig unheimliche Atmosphäre hat sich mir nachhaltig eingeprägt.