Montag, 27. August 2012

Wer hat's erfunden?


Nun hat Apple den Prozess gegen Samsung um die angebliche Erfindung des Smartphones fürs Erste gewonnen und die Koreaner müssen ordentlich zahlen. Und das, obwohl der Richterin zwischendurch Zweifel kamen, ob alle plädierenden Anwälte immer clean waren. Apple hat sich als geniale Erfinderschmiede inszeniert, deren brillante technische Innovationen von Konkurrenten schamlos kopiert worden seien. Schaut man sich einmal an, was Apple seit dem Weggang des genialen Tüftlers Steve Wozniak eigentlich an technischen Entwicklungen hervorgebracht bzw. nicht hervorgebracht hat, dann fällt die Bilanz überraschend mager aus:


Es ist eine interessante Vorstellung, was mit Apple passiert wäre, wenn die jeweiligen Erfinder ein ähnliches Verständnis von Erfindungen gehabt hätten, wie es Apple jetzt demonstriert und sich jedes mal aufgeführt hätten wie der schweizerische Bonbononkel.

Steve Jobs hatte immer ein Händchen dafür, bereits existierende, noch nicht marktreife Technik zu einem attraktiven, gut funktionierenden Paket in schönem Design zu schnüren und dieses einer ihn überwiegend kultisch verehrenden Gemeinde zum entsprechenden Preis zu verkaufen. So war ihm immer klar gewesen, dass die beste Hardware nichts taugt ohne die passende Software und ohne eine passende Infrastruktur. Darin, das alles aus einer Hand anzubieten, war Jobs der Konkurrenz lange um Jahre voraus

Das ließ Apple-Rechner in den Neunzigern, als der gemeine Nutzer sich noch fluchend mit instabilen Windows-95-, 98- und ME-Systemen herumschlug, zu Objekten der Begierde für all jene werden, die nicht zocken oder basteln, sondern vor allem einen nicht abstürzenden Rechner wollten. Und die sie besaßen, gaben gern damit an, überhaupt nicht zu wissen, was ein Absturz sei. Später, als der Durchschnitts-PC dank Windows-NT-Betriebssystemen einigermaßen stabil lief, mauserten sich die Apple-Geräte zunehmend zu Design-Ikonen. Deren Besitzer fragten dann gern, ob dieser hornhautfarbene Langweilerkasten auf dem Schreibtisch wirklich ein Computer sei.

Oder Smartphones. Die Technik war, wie gesagt, bereits erfunden. Jobs' Idee war, das Ganze zu verbinden mit dem App Store und dem iTunes-Store. Außerdem war es ihm gelungen, Mobilfunkanbieter zu überzeugen, dass sie von nun an erschwingliche mobile Internet-Flats anbieten müssten, weil das Konzept iPhone sonst nicht funktionieren würde.

Es bleibt die Frage, worin eigentlich Apples genuine Erfindung im technischen Sinne besteht, die dem Gericht jetzt als so schützenswert erscheint. Die Herrschaften von techsyndicate.com sind der Frage einmal detaillierter nachgegangen  (leider nur auf Englisch und auch ohne Untertitel):


Vor diesem Hintergrund erinnert das ganze Tamtam ein wenig daran, wie Greenpeace 2002 aus Protest gegen die EU-Patentrichtlinie ein Patent auf 'richtig leckere Currywurst' beantragt hat.


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