Sonntag, 25. August 2013

Kurze Pause


Hier herrscht ab sofort bis zum nächsten Wochenende eine kurze Sommerpause!


Wir lesen uns.


Donnerstag, 22. August 2013

Pressefreiheit, the English way


Manchmal kann man es nicht fassen. Das Hirn sträubt sich bei der Vorstellung und man mag ums Verrecken nicht glauben, wie kleinfritzchenmäßig simpel Politik zuweilen funktioniert. Immer, wenn man denkt: So doof kann einfach keiner sein, das sind doch Profis, mit allen Tricks und Winkelzügen vertraut, die haben so was doch gar nicht nötig - dann kommt einer daher, der einen vom Gegenteil überzeugt.

Nehmen wir zum Beispiel David Cameron. Der verdingt sich bekanntlich als Premierminister des Vereinigten Königreiches. Cameron macht den Job übrigens nicht des Geldes wegen, denn er kommt aus piekreichem Hause und verfügt auch selbst über ein ansehnliches Vermögen in zweistelliger Millionenhöhe. Warum also sonst? Um seinem Land zu dienen? Das könnte sein. Dazu muss man aber die Millionen von Menschen außen vor lassen, die er mit seinen, unter dem aufblasbaren Tarnnamen Big Society verkauften Asozialreformen in Armut und Elend schubst. Cameron entstammt dem Geldadel, macht konsequent Politik für den Geldadel, tritt die Armen in die Tonne und tischt ohne rot zu werden das Märchen auf, davon würden alle profitieren. So weit, so neoliberal. Aber ich schweife ab.

Dienstag, 20. August 2013

Sommerlochfüllmasse: Hörtipp


Von FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher kann man so einiges halten. Man kann ihn für einen eitlen Salonintellektuellen halten, der glaubt, zu allem und jedem Maßgebliches zu sagen zu haben. Man kann ihm vorwerfen, seinerzeit einer Scientology-Charmeoffensive volles Rohr auf den Leim gegangen zu sein und nicht unproblematisches Fernsehschaffen a'la Nico Hoffmann allzu unreflektiert zu feiern. Das alles kann man tun und man liegt auch nicht ganz falsch. Ein paar Dinge muss man ihm aber unbedingt zugute halten: Er stellt sich Fragen, denen die meisten Feuilletonisten lieber nonchalant aus dem Weg gehen. Und er hat in der Vergangenheit mehrfach dafür gesorgt, dass im Feuilleton der FAZ so etwas wie Meinungsvielfalt herrscht.

Sonntag, 18. August 2013

Polonäse Johnnymeese


Was Jonathan Meese angeht, habe ich drei Probleme: Erstens vermag ich nicht zu beurteilen, ob das, was er so macht und treibt, Kunst ist oder nicht. Keine Ahnung. Mir fehlen auch die nötigen Kenntnisse, um das zu beurteilen. Und die, die sie mehr oder weniger haben sollten, wie etwa Feuilletonisten oder Kunsthistoriker, halten sich mit Antworten auf die Frage: "Wie, und das soll jetzt Kunst sein oder was?", in der Regel vornehm zurück. Mein zweites Problem ist, dass ich nicht qualifiziert bin zu sagen, ob Meese einen Knick in der Kappe hat oder nicht. Dazu müsste ich Psychiater sein und er mein Patient. Dann dürfte ich aber meine Erkenntnisse ohne sein Einverständnis nicht öffentlich mitteilen, wollte ich es nicht mit der Justiz zu tun bekommen kriegen. Mein drittes Problem ist, dass ich nicht sagen kann, ob der gute Mann ein Nazi ist oder entsprechende Tendenzen zeigt. Dazu wäre ich qua Ausbildung zwar noch am ehesten in der Lage, doch müsste ich mich dafür näher mit ihm und seinem Schaffen befassen. Dazu fehlen mir Zeit, Lust und Interesse.

Freitag, 16. August 2013

Ohrenpein beim Reitverein


Die Betreiber des nahe gelegenen Reiterhofs mit angeschlossener Gastronomie verstehen ihr Handwerk. Im schön gelegenen Biergarten lässt sich gutes Gebräu zu unschlagbaren Preisen genießen, auf Bestellung wird einem etwas Gutes auf den Grill gelegt, das nicht aus dem Großmarkt kommt, sondern von einem Metzger und ebenfalls zum schwer schlagbaren Preis verkauft. Im Hintergrund hält vornehmlich weibliches Jungvolk die Zossen auf Trab. Wenn der Wind günstig steht, bemerkt man auch den Geruch der hundert Meter entfernten Kläranlage kaum. Was soll's, die Emscher will schließlich gereinigt werden. H. ist nach einem mehr als ein Jahr währenden Dating-Marathon wieder in einer Beziehung angekommen und kennt kaum ein anderes Thema als seine neue Flamme. Man ordert noch ein Weißbier und lässt den lieben Gott einen jolly old fellow sein. Idyllen wie diese machen langmütig. Doch auch das hat Grenzen.

Mittwoch, 14. August 2013

Der Beweis: Privat ist besser


Gleich an mehreren Stellen auf einmal kann man sich dieser Tage von der Effizienz und der Überlegenheit privatwirtschaftlicher Strukturen überzeugen, die uns bekanntlich dem Idealzustand der Menschheit nahebringen werden: Bei den privaten Pflegediensten und der privatisierten Bahn.

Die Geschichte des Gesundheitssektors in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahrzehnten ist eine der fortschreitenden Privatisierung und eine fortlaufender Kürzungen. Vor allem zu Lasten der Patienten, versteht sich. Denn die Zahl derer, die vom Gesundheitswesen teils erheblich profitieren, scheint von Jahr zu Jahr größer zu werden. Und wenn jetzt, wie in einer Studie von Transparency International herauskommt, dass die privaten Pflegedienste in Deutschland ein ziemlich korrupter Sumpf sind, in dem die Pflegebedürftigen, um die es doch eigentlich gehen sollte, an allerletzter Stelle kommen, geht wieder das große Überraschtsein der Verantwortlichen los. Nein, das konnte ja wohl niemand ahnen. Also wirklich, erschreckend, so was. Wir versprechen brutalstmögliche Aufklärung.

Sonntag, 11. August 2013

Die nächste feine Idee


Dass Arbeit eine Gnade ist, für die man gefälligst dankbar zu sein hat und dass das Schaffen von ArbeitsplätzenTM so ziemlich jede unmenschliche Zumutung rechtfertigt, ist bekannt. Aus Großbritannien kommt jetzt eine neue Idee zur weiteren Auslagerung jeglichen unternehmerischen Risikos an die Arbeitnehmer. Es handelt sich um so genannte Zero-hour contracts. Das sind Arbeitsverträge, in denen keine Stundenzahl mehr festgelegt ist. Man hat sich auf Abruf zu halten und wird nach Bedarf eingesetzt. Oder auch nicht. Wenn man Pech hat, verdient man überhaupt nichts. Weil sie fürchten, in ein schlechtes Licht zu geraten, garantieren einige Kaffeebarketten ihren Baristas - man ist ja kein Unmensch - jetzt immerhin acht volle Mindeststunden pro Woche. Das wären bei einem Stundenlohn von 8,50 Pfund immerhin satte 68 Pfund Sterling. Beim momentanen Wechselkurs entspricht das 78,95 Euro.

Freitag, 9. August 2013

Noch mehr Druck


Ein weiterer Nebeneffekt des Popanz vom Fachkräftemangel

Der vornehmlich von Wirtschaftsverbänden und ihren medialen Büchsenspannern propagierte Fachkräftemangel dient unter anderem dazu, es als Notwendigkeit zu verkaufen, Arbeitskräfte aus den so genannten Krisenländern zu importieren, die ihrerseits dankbar für deutsche Hungerlöhne sind. So wird die Mär vom Fachkräftemangel zu einem Mittel, die Löhne und Gehälter auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiter unter Druck und die Reservearmee groß genug zu halten. Außerdem können solche Panikmeldungen in bestimmten Branchen, zum Beispiel bei Ingenieurberufen, den Schweinezyklus in Gang setzen und zu Fachkräfteschwemmen führen, die die Arbeitgeber in eine günstige Position setzt. Das dürfte sich so weit herum gesprochen haben, dass das keine sonderlich originelle Erkenntnis mehr ist.

Donnerstag, 8. August 2013

Wie, keine Wurst heute?


Hätte man mich vor zehn, oder besser: fünfzehn Jahren gefragt, ob zu einer täglichen Mahlzeit in jedem Fall ein Stück Fleisch oder eine Wurst gehört, dann wäre meine Antwort ein aus der Pistole geschossenes Ja gewesen. Das CMA-Diktum vom Stück Lebenskraft war von klein auf ein ehernes Mantra meines Speiseplans. Wie so viele, bin ich mir da inzwischen längst nicht mehr so sicher. Mittlerweile esse ich zwischendurch gern fleischlos. Nicht vegan allerdings. Ein Leben ohne Milchprodukte und Käse dünkt mir machbar, aber sinnlos. Meine langsame Mutation zum Flexitarier, wie das die jungen Leute heute nennen, hat mehrere Gründe. Zum einen bin ich mit den Auswüchsen moderner Massentierhaltung alles andere als einverstanden, auch wenn es teilweise unangebracht ist, sie pauschal zu verteufeln. Weiterhin probiere ich gern Neues aus und bin zunehmend angetan, was sich fleischlos so alles Leckeres und Nahrhaftes bereiten lässt.

Sonntag, 4. August 2013

Wieder rausgekramt: Der Philip Marlowe von Essen


Man könnte doch mal wieder 'Steeler Straße' lesen, so fuhr es mir die Tage durchs Hirn und ich tat wie befohlen. Drei Tage später hatte ich alle Bände durch und das sichere Gefühl, diese treuen Begleiter meiner Essener Studienjahre nicht zum letzten Male wieder hervorgekramt zu haben. 'Steeler Straße' ist eine aus sechs Bänden bestehende Serie von in Essen spielenden Detektivromanen des ehemaligen IT-Angestellten Friedrich Hitzbleck alias Conny Lens. Lens hat den Traum vieler wahrgemacht und sich vom Hobbyschriftsteller zum gefragten Roman- und Drehbuchautor gemausert. 'Steeler Straße' gehörte zu seinen ersten Gehversuchen.