Donnerstag, 12. Oktober 2017

Ronny des Monats - Oktober 2017


So denn, der Zehnte des Monats ist mal wieder rum – Zeit für die fällige Ronny-Verleihung. Natürlich hat es auch diesen Monat wieder viel an Gewalt und Kleinkriminalität von rechts gegeben (die unter anderem hier akribisch dokumentiert wird), die aber nicht schlimm ist, weil linke Gewalt ja noch viel, viel tausende Male schlimmerer ist. Ätsch! Medial überlagert wurde vieles vom Wahlergebnis der AfD, die sich, nicht zuletzt dank ihres Höcke-Flügels, hier schon den einen oder anderen Ronny abgeholt hat. Aber auch die anderen übelriechenden braunen Sumpfdotterblumen am Wegesrand sollen darüber nicht in Vergessenheit geraten. Ladies and Gentlemen, die Top 5 des Monats Oktober:


Platz 5: Nicht-Rassist Mario Barth
Der misogyne Witzeonkel, der Fips Asmussen des feministischen Zeitalters, verteidigte sich im Sommer gegen den Anwurf, ein Rassist zu sein, mit dem Superargument, das sei völlig ausgeschlossen, wenn nicht gleich ganz unmöglich, da sein Urgoßvater mütterlicherseits ja schließlich Jude gewesen sei. Und frauenfeindlich könne er demnach, wie die 'Titanic' sekundierte auch unmöglich sein, da seine Mutter schließlich eine Frau sei. Also: Fresse halten angesacht, weeßte, weeßte, vasteeehste?


Platz 4: Lecker grünbraune Soße
"Magazin für ganzheitliches Denken" - so nennt das Blättchen mit dem unverfänglich wirkenden Namen 'Umwelt und aktiv' sich. Zwar stolpert der Sprachkundige zunächst, denn der unbeholfen wirkende Name will sich nicht recht erschließen. Wie hängen das Substantiv 'Umwelt' und das Adjektiv 'aktiv' zusammen? Wie 'Stadt' und 'träge'? Was haben sie miteinander zu tun? Doch wollen wir nicht zu pedantisch sein, da das Ganze auf den ersten Blick den gar nicht uncharmanten Charme des Selbstgestrickten verströmt. Damit aber enden die Sympathien. Schaut man sich das Geschreibsel nämlich genauer an, wird schnell klar, dass es sich um eine rechtsesoterische Kampfpublikation erster Güte handelt, in dem Umweltschutz gern mal gleichgesetzt wird mit: Keine Ausländer (den Umkehrschluss ersparen wir uns). Man darf 'Umwelt und aktiv' übrigens laut Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes (Aktenzeichen: 10 BV 16.1237) auch ganz offiziell 'rechtsextrem' nennen. Recht so.


Außer Konkurrenz: Was 'Kollegen' so alles sehen und hören...

Synapsenschnitt via facebook*
Weiter im Text.


Platz 3: Heinz Meyer, Besorgter Bürger des Monats
Der wegen Körperverletzung vorbestrafte Heinz Meyer, seines Zeichens Chef des Münchner Pegida-Ablegers, lieferte am 16. September eine schöne Einzelleistung ab:
"'Wenn Pegida drei Monate jeden Tag in Augsburg demonstriert, gibt es hier keinen linken Protest mehr“, drohte er beispielsweise. Politischen Gegnern wünschte er, vergewaltigt zu werden und legte mit offener Homophobie noch einen drauf: 'Auch die Schwuchteln sollen Button tragen', um sich für Vergewaltigungen zu kennzeichnen", so bnr.de. Immer wieder herzig, wie eifrig, ja geradezu liebevoll solche rechten Recken sich an Homosexualität abarbeiten. Fast könnte man da auf falsche Gedanken kommen. Aber einen Tipp hätte ich da noch: Es hat sich, Meyer, im Lichte einschlägiger historischer Erfahrungen als sinnvoll erwiesen, "Schwuchteln", die sich als nützlich erweisen könnten, erst nach der Machtergreifung ihrem Schicksal zuzuführen. Nicht dafür, Stößchen!


Platz 2: Eigentor des Monats
Nach Berichten der Zeitung Ouest France berichtet, hat der 54-jährige Claude Hermant, Mitglied der Identitären Bewegung aus Lille in Frankreich, mehr als 500 Waffen verkauft. Sechs davon wurden 2015 ausgerechnet von dem Dschihadisten Amedy Coulibaly bei einem blutigen Anschlag in Paris verwendet. Eine Polizistin und vier Supermarktbesucher wurden damals getötet. Das Urteil: Sieben Jahre Haft und 30.000 Euro Bußgeld. Nee, super, echt. Gelungene Aktion. Wenn's nicht so traurig wäre, müsste man sagen: Hat schon eine gewisse Ironie. Etwa so wie massenhaft Waffen an ein wahabitisches Regime wie Saudi-Arabien verhökern und dann in Islamophobie machen und Panik schieben wegen Flüchtlingen.


Platz 1: Es kann nur eine geben.
Gab es eine Alternative? Nein. Äh, das heißt: doch. Die Alternative für Deutschland nämlich. Natürlich kann es diesen Monat keine andere Preisträgerin geben als die jene bei der Schicksalswahl kometengleich ans Firmament des bundesdeutschen Parlamentarismus geschossene Zwölfprozentpartei, die antritt, dem Establishment Mores zu lehren und wieder für deutsche Ordnung zu sorgen im linksgrünversiffen Multikulti-Saustall, wobei sie auch vor dem einen oder anderen braunen Rülpser nicht zurückschreckt. Moment! Schrub ich da "brauner Rülpser"? Obwohl die doch immer so empfindlich sind und immer sofort beleidigt sind? Jawohl, so schrieb ich. Und ich habe einen Kronzeugen, ja, einen Fürsprecher, wenn man so will. "Es waren nicht wir von der AfD oder sonstige Nazis." - so ventilierte es zumindest Horst Reschke, seines Zeichens pensionierter Polizist und AfD-Stadtrat im ehrwürdigen Frankfurter Römer am Ende der Haushaltsdebatte. Endlich sagt's mal einer!

(Die 5 Euro für den "ehrwürdigen Frankfurter Römer" wurden bereits auf das Phrasenschwein-Konto bei der Frankfurter Sparkasse überwiesen.)

Und der Ehrenronny dieses Monats, die honourable mention, geht wieder einmal ins Nachbarland Österreich, nämlich an:


Sprachgesamtkunstwerk Martin Sellner
Der ist bekanntlich der Dickdenker des deutschsprachigen Ablegers der 'Identitären Bewegung'. (Potzdonner, hatten wir die nicht gerade schon? Egal.) Dabei handelt es sich um eine Ansammlung junger hipper Abendlandsverteidiger, die unter großen Beifall von rechtsgewendeten alten Knallchargen wie Matthias Matussek Formen linken Protestes klauen adaptieren und sich als eine Art 68er-Bewegung von rechts inszenieren. Wenn sie nicht gerade misslungene Mittelmeerkreuzfahrten veranstalten. Ansonsten sind sie zu feige, sich Rassisten zu nennen und bezeichnen ihre Denke lieber vornehm als 'Ethnopluralismus'. Eines muss man ihnen lassen: Zumindest Sellner kann es in Puncto kryptisch-verquaster Sprache mit jedem 68er-Theoretiker von damals aufnehmen. So feierte er das Wahlergebnis der AfD mit folgenden Worten: "Eine Ereignis, dass sie mit einem Mitteln verhindern wollten trotz Heizung Lüge trotzdem fällig Partei FDP haben sie es nicht geschafft". Wer das für einen einmaligen Ausrutscher hält - hey, komm, wer hat noch nie angetrunken getwittert oder ist mal mit der Maus ausgerutscht! - sei auf den Account der idiotaeren verwiesen.

Ach, und kreativ ist der Mann auch unterwegs. Man sehe sich etwa seine geschmackvolle Neuinterpretation des Covers von Assassin's Creed III an...
Foto: Screenshot/Facebook_Sellner via fr.de

… und frage sich: Was zum Henker hat eigentlich Frau Kepetry auf dem Bild verloren? Der Betrachter bleibt ratlos zurück. Große Kunst halt. Mehr Fragen als Antworten.



1 Kommentar :

  1. Kurt Schwitters spukt bei Twitter´s – senkbleirechtlich ofentürlich!

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